Zwischenzeitlich war es still geworden um den ehemaligen Bürgersaal, der nun „Kultur Forum Westkreuz“ heißt. Der Name wurde bei einem Wettbewerb 2025 gefunden. Ende des Jahres geht es schrittweise los. Das Kulturreferat hat den Betrieb des Kulturforums an das „Theater HochX“ übergeben. Im Interview stellt die künstlerische Leiterin, Ute Gröbl, die Schwerpunkte der zukünftigen Arbeit vor. Schonmal vorweg: Das Kultur Forum Westkreuz soll auch zukünftig den Menschen im Viertel zur Verfügung stehen. Ansprechpartner für Nutzungen ist Sebastian Dominic Auer, sebastian.auer(at)theater-hochx.de.
Was ist das Besondere am Spielplan des Theaters HochX?
Das HochX ist eine Spielstätte für freies Theater. D.h. wir haben kein eigenes Ensemble, sondern sind Partnerin und Koproduzentin für freie Gruppen – vor allem aus München – die bei uns ihre Stücke realisieren. Wir zeigen Theater, Tanz, Performance, Literatur, Kinder- und Jugendtheater sowie Figuren- und Musiktheater. Die bei uns produzierten Stücke sind immer Uraufführungen, dazu kommen nationale und internationale Gastspiele. Seit 2022 veranstalten wir außerdem das biennale Festival rodeo, die Plattform der Münchner Tanz- und Theaterszene. Das HochX wird gefördert von der LH München und wurde 2021 mit dem Theaterpreis des Bundes ausgezeichnet.
Uns ist dabei besonders die Verbindung von Produktion, Präsentation und Vermittlung wichtig: Künstler*innen finden bei uns nicht nur eine Bühne, sondern auch Raum zum Experimentieren und Weiterentwickeln. Gleichzeitig wollen wir ein Ort für das Publikum sein – für Begegnung, Austausch und neue Perspektiven.
Wie kommt es, dass Sie nun ans Westkreuz expandieren?
Der wichtigste Grund ist ganz konkret der Bedarf an guten und bezahlbaren Probenräumen in München. Das HochX vermietet seine aktuell vier Probenräume nicht nur an die Künstler*innen, die am Haus produzieren, sondern an die gesamte Tanz- und Theaterszene der Stadt. Und da ist die Nachfrage nach gut ausgestatteten und vor allem bezahlbaren Probenräumen groß, zumal immer wieder Räume durch Mietsteigerungen oder Abriss wegfallen. Das Kultur Forum Westkreuz bietet uns die Chance, dort langfristig bezahlbare Infrastruktur für die freie Tanz- und Theaterszene zu schaffen, die in einer teuren Stadt wie München eh unter sehr prekären Bedingungen arbeitet.
Wie sehen Ihre Pläne für den Raum dort aus?
Wir denken die Entwicklung in drei Schritten. Zunächst wollen wir das Kultur Forum Westkreuz ab Ende 2026 als Probenraum in Betrieb nehmen. 2027 soll dann vor allem ein Jahr der Vernetzung und Weiterentwicklung werden. Wir wollen die Bedürfnisse der Nutzer*innen besser kennenlernen und Kontakte im Stadtteil aufbauen. Langfristig, ab 2028, möchten wir das Kulturforum weiter öffnen und zu einem lebendigen Ort im Stadtbezirk 22 weiterentwickeln – z.B. mit partizipativen Formaten, Konzerten, Lesungen, Workshops und vor allem Theater- und Tanzangeboten für junges Publikum. Das hängt natürlich ab von der Finanzierung; für eine Bespielung des Kulturforums gibt es aktuell noch keine städtische Förderung.
Das Kultur Forum Westkreuz soll auch zukünftig den Akteur*innen im Stadtteil zur Verfügung stehen. Wie genau ist das zu verstehen?
Wir verstehen das Kultur Forum Westkreuz ausdrücklich nicht als einen Raum, den wir ausschließlich für die eigene Arbeit nutzen wollen. Im Gegenteil: Die Lage im Stadtbezirk 22 sehen wir als Chance, mit den Menschen und Initiativen vor Ort in Kontakt zu kommen und neue Verbindungen zwischen freier Kunst und Stadtgesellschaft aufzubauen. Zunächst wird der Raum vor allem als Probenraum für die freie Szene zur Verfügung stehen. Mittelfristig wollen wir aber gemeinsam mit den Akteur*innen im Stadtteil herausfinden, welche Bedürfnisse und Ideen es gibt und wie der Raum dafür genutzt werden kann. Perspektivisch soll das Kulturforum also ein Ort sein, an dem unterschiedliche Gruppen zusammenkommen und eigene Aktivitäten entwickeln können.
Es gibt auch eine kleine, freie Theaterszene im Stadtbezirk 22. Ist da eine Zusammenarbeit denkbar?
Ja, unbedingt. Genau darin sehen wir einen wichtigen Teil des Potenzials des Kulturforums. Wir möchten nicht einfach ein Angebot aus der Innenstadt in den Stadtbezirk 22 verlängern, sondern uns aktiv vernetzen. Unser Ziel wäre also eine Begegnung auf Augenhöhe: Wir schaffen im Kulturforum einen guten Ort für professionelles künstlerisches Arbeiten und laden dazu ein, dem freien Theater mit Offenheit und Neugierde zu begegnen.